Legal Tech im Hörsaal? Für wen sich das Angebot lohnt – und für wen nicht.

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Legal Tech hat bereits jetzt langfristig den Arbeitsalltag von Rechtsanwälten und Syndici gravierend verändert. Juristische Datenbanken haben in beinahe jeder Kanzlei Einzug gefunden, in den Rechtsabteilungen von Unternehmen werden zunehmend Legal-Tech-Anwendungen genutzt, um den eigenen Workflow zu optimieren.

Aber woher weiß ein Jurist eigentlich, was Legal Tech eigentlich alles kann, wie es zu benutzen ist und worauf man im Umgang mit neuer Technologie achten muss? Auf diese Fragen haben bisher nur Weiterbildungen oder die Anleitung durch erfahrene Kollegen eine Antwort geboten. Doch nun reagieren auch Universitäten – und passen die juristische Ausbildung an die neuen Anforderungen der Branche an.

Der Klassiker: Legal-Tech-Fortbildungen

Im Studium lernt man den Umgang mit Legal Tech nicht. Das trifft besonders auf Juristen zu, die ihre Staatsexamina bereits gemacht haben, bevor Legal Tech überhaupt aufgekommen ist. Viele Absolventen finden sich also nach über fünf Jahren Studium in einem Jobumfeld wieder, das technisch viel weiter ist, als die universitäre Ausbildung

So viel neue Technik kann überfordern. Dabei leisten Legal-Tech-Fortbildungen Abhilfe. Bereits jetzt gibt es unzählige Angebote für Juristen, sich über die technischen Neuheiten in ihrer Branche zu informieren. Die Angebote reichen von kostenlosen Webinaren, Podcast und YouTube-Videos hin zu mehrtägigen Kursen, bei denen bestimmte Fähigkeiten intensiv vermittelt werden. Die letzte Variante ist dabei aktuell noch die beliebteste – doch kostenlose Angebote machen dieser zunehmend Konkurrenz.

Kurse kommen dabei oft von Universitäten oder anderen Lehreinrichtungen. Auch eigenständige Firmen tragen ihren Teil zum Lehrangebot bei, sodass die Weiterbildungslandschaft für Legal Tech eine beachtliche Weite und Buntheit aufweist. Das liegt besonders daran, dass auch internationale Angebote genutzt werden können, was in der herkömmlichen Juristerei eher eine Seltenheit darstellt. Beispielsweise ist die Digitalisierung des amerikanischen Rechtsmarkt deutlich weiter fortgeschritten, sodass dort auch mehr Fortbildungsmöglichkeiten vorhanden sind.

 

Der Newcomer: Legal Tech als Studiengang

Bisher hat sich die juristische Ausbildung, bis auf manche abweichende Konzepte und kombinierte Studiengänge (besonders mit dem angestrebten Abschluss „Bachelor of Laws“) , ausschließlich mit der rein theoretischen Ausbildung beschäftigt. Dieses vielfach kritisierte Konzept wurde bisher in Sachen Legal Tech mancherorts durch Zusatzkurse oder Legal-Tech-Sommerschulen ergänzt. Verbindlich in den Lehrplan wurden Legal-Tech-Veranstaltungen allerdings noch nicht.

Dies ändert sich nun: Erstmals bietet die Universität Passau einen Bacherlorstudiengang in Legal Tech mit einer Studiendauer von acht Semestern an. Auch an der Universität Regensburg beginnt im Wintersemester 2020/21 ein Masterstudiengang mit gleicher Ausrichtung. Beim passauer Model werden dabei Studierende nicht nur mit den Juristischen Grundlagen vertraut gemacht, die zu einem Bachelor-of-Laws-Studiengang dazugehören, sondern erwerben auch Kenntnisse in VWL und Informatik. Die Verwebung der drei Disziplinen soll angehende Juristen nicht nur die Anwendung von Legal Tech lehren, sondern auch die Denkweise von Informatikern. Besonders wenn zukünftig eben diese mit den Rechtsabteilungen zusammenarbeiten müssen, dürfte diesen Fähigkeiten eine große Bedeutung zukommen.

 

Fazit

Juristen, die bereits auf ein langjähriges Berufsleben zurückblicken können, werden durch die neuen Studienangebote wohl kaum zurück in den Hörsaal gelockt werden. Für diese werden kurzweiligere Fortbildungen weiterhin die bevorzugte Methode bleiben, um sich in Legal Tech zu schulen – vor allem in Anbetracht der zunehmenden Digitalisierung der Angebote. Für angehende Juristen jedoch können Studiengänge wie in Passau und Regensburg eine ernstzunehmende Option sein: So werden technisch-affine Juristen bereits heute hoch gehandelt.

Ob die Angebote tatsächlich halten, was sie versprechen, ist natürlich erst beurteilbar, wenn die ersten Absolventen im Beruf angelangt sind. Sicher ist aber, dass in dieser neuen Ausbildungsform ein großes Potential die Digitalisierung des Rechtswesens steckt.

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