KI & Legal Tech – Wie verändert sich der Rechtsmarkt?

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Seit langer Zeit war der juristische Arbeitsmarkt unbewegt. Das Studium wurde vom Bologna-Prozess kaum tangiert, jedenfalls nicht in den entscheidenden Bereichen. Doch seit 2002 sinkt die Zahl der Volljuristen kontinuierlich. Gleichzeitig kommt auf die Branche durch eine immer besser vernetzte Welt und das generelle Wirtschaftswachstum eine große Zahl von potentiellen Kunden zu. Welche Rolle spielen Legal Tech und KI in diesem Zusammenhang? Werden sie den Juristen überflüssig machen und einen ganzen Berufszweig abservieren? Oder können sie vielleicht sogar die Probleme lösen, die auf die Juristerei zukommen?

Was ist Legal Tech?

Unter Legal Tech versteht man digitale Anwendungen, die dem Juristen das Leben leichter machen. Das können im simpelsten Fall Datenbanken für Gesetze oder Präzedenzfälle oder sogar KI-Programme, die Verträge analysieren sein. Die Möglichkeiten sind gewaltig für die Branche und zeigen klar: die Digitalisierung hat die Juristerei erreicht. Während in den USA Legal Tech bereits seit geraumer Zeit angewandt wird, zeigten sich die deutschen Juristen vorerst zurückhaltend. Jedoch ist der Trend auch zu uns herübergeschwabt, seit 2015 steigt die Zahl der Legal Tech Start-Ups stetig an. Auch in den deutschen Rechtsabteilungen und Großkanzleien findet diese neue Technologie Einzug. Trotz der manchmal überwältigenden Fähigkeiten von Legal Tech muss jedem klar sein, dass der Jurist mehr ist, als ein Gutachtenautomat. Analyse von Verträgen und Fällen, sowie das Heraussuchen von Literatur und Urteilen sind Aufgaben, die von Legal Tech übernommen werden können. Jedoch muss der Jurist über eine hohe soziale Intelligenz verfügen, besonders als Richter oder Anwalt. Er muss komplexe Sachverhalte überblicken und verknüpfen können. Er muss abwägen. Und all das kann Legal Tech nicht. Sie wird den Anwalt nicht ersetzen, sondern ihm unter die Arme greifen, ihn effizienter machen. Aber welche Herausforderungen der Branche kann Legal Tech denn helfen zu lösen?

Der Juristenmangel

Doch nicht nur Legal Tech hat die Rechtsbranche erreicht, sondern auch der Fachkräftemangel. Seit 2002 sinkt die Zahl der Volljuristen, die Anzahl zugelassener Anwälte geht ebenfalls zurück. Gleichzeitig gehen viele Richter und Staatsanwälte auf die Rente zu und werden bald fehlen. All diese Stellen können nicht neu besetzt werden. Zudem haben freie Wirtschaft und Großkanzleien den Staat als attraktiven Arbeitgeber abgehängt. Wer sich heute ein gutes Zweites Staatsexamen erarbeitet hat, vor dem Rollen die Großkanzleien den roten Teppich aus. Es wird für Kanzleien und Unternehmen also zunehmend schwieriger, Nachwuchs anzuwerben, während die Arbeit nicht weniger wird. Zeitgleich wächst der Druck auf den Wirtschaftsstandort Deutschland. Wenn in den USA Rechtsstreiten besser vorgebeugt werden kann als in Deutschland, weil die Rechtsabteilungen dort effizienter arbeiten, dann ist das ein eindeutiger Standortnachteil und abschreckend für Investoren.

Also müssen die einzelnen Juristen effizienter sein als die der (internationalen) Konkurrenz. Dabei kann Legal Tech helfen. Besonders Analysetools und Datenbanken können den Arbeitsalltag eines Juristen erheblich erleichtern, egal ob er in einer Rechtsabteilung oder Kanzlei sitzt. Aber auch die Juristen im Staatsdienst können von den neuen Hilfsmitteln profitieren. Da die freie Wirtschaft es geschafft hat, viele Topjuristen aus den Abschlussjahrgängen für sich zu gewinnen, ist im Gerichtswesen der Nachwuchs stark geschrumpft. In Kombination mit der gleichbleibenden oder sogar zunehmenden Arbeit bedeutet das eine viel stärkere Auslastung pro Jurist. Hier könnten Legal Tech Applikationen speziell für das Gerichtswesen helfen. Beispielsweise können digitale Gerichtsverhandlungen den Arbeitsaufwand der Richter verringern und ihren Arbeitsalltag streamlinen. Wie das genau funktioniert, können Sie hier nachlesen [Vermerk: ich dachte, dass man hier gut einen Querverweis auf den anderen Artikel einbauen könnte]

Die Generationenfragen

Es kommen also nun weniger Juristen auf den Arbeitsmarkt. Doch was zeichnet sie aus? Die neue Generation Z unterscheidet sich in ihrer Arbeitseinstellung stark von ihren Vorgängern. Den für sie steht die Work-Life-Balance oft über dem Gehalt und Flexibilität ist ihnen wichtig. In der Kanzleien werden Fleißarbeiten, wie Literaturrecherche gerne an die Neulinge weitergegeben, damit sich die erfahrenen Juristen mit den anspruchsvolleren Problemen beschäftigten können. Auch ist die bisherige Arbeitszeit für Juristen in Großkanzleien angesichts ihres Gehaltes angemessen, aber dennoch hoch. Beides passt nicht so ganz zum Idealbild der Generation Y.

Jedoch wird gerade hier viel getan. Die alte Partner-Struktur in Kanzleien wird teilweise aufgeweicht, das Arbeitsleben wird mancherorts mit Homeoffice flexibler. Um auch den vielen neuen Juristinnen gerecht zu werden, adaptieren Großkanzleien zunehmend Kinderbetreuung. Das ist schon eine ganze Menge, doch durch Legal Tech können die juristischen Arbeitgeber noch attraktiver für die jungen Anwälte werden. Wenn nämlich Technologie die Recherche übernimmt und der Nachwuchs mehr an den komplexen Problemen geschult wird, macht das ihren Arbeitsalltag gleich ansprechender. Oben haben wir festgestellt, dass Legal Tech den Juristen effizienter macht. Wenn also ein neuer Anwalt durch neue Technologie mehr Arbeit schafft, dann könnten Kanzleien das nutzen, um beispielsweise seine Arbeitszeit zu kürzen oder sein Gehalt zu erhöhen. In jedem Fall würde das den Job für junge Rechtswissenschaftler attraktiver machen und sie vermehrt zu den Kanzleien zu bringen.

Im Zusammenhang mit Legal Tech hat die Generation Z auch einen weiteren Vorteil: Sie sind Digital Natives und damit im Umgang mit digitaler Technologie bereits erfahren. Gerade sie könnten deshalb auch einen großen Umschwung in der Juristerei bewirken.

Fazit

Legal Tech und KI-Anwendungen ersetzt den Juristen nicht, sonder macht ihn effizienter. Gerade diese Effizienz braucht die Branche aktuell stärker denn je. Gerade die neue Juristengeneration wird hier entscheidend sein und voraussichtlich eine Digitaliserungswelle lostreten, sobald sie in den nächsten fünf bis zehn Jahren fest im Berufsleben steht. Aber auch die Lehre muss mitmachen. Zwar sind alle neuen Generationen bereits geschult im Umgang mit digitalen Medien, doch gerade die Anwendung von Legal Tech wird im Studium nicht gelehrt. Viele ausländische Universitäten bieten bereits Master of Legal Tech-Studiengänge an. Diese Angebote werden in Zukunft wahrscheinlich zunehmen. Die neue Technologie hat sich einen festen Platz in der Juristerei erarbeitet und weder kann, noch sollte sie wieder entfernt werden. Denn sie hat die Chance, Gerichte, Staatsanwaltschaften, Rechtsabteilungen und Kanzleien zu einer hohen Effizienz zu führen und ihre aktuellen und zukünftigen Probleme zu bewältigen.

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