Die Coronakrise ist mittlerweile zum Alltag für viele geworden. Jetzt, etwa vier Monate nach dem großen Ausbruch, haben sich Private und Öffentliche zwangsläufig mit den neuen Umständen arrangiert. Aber wie gehen Kanzleien und Rechtsabteilungen mittlerweile mit der Krise um? Welche Innovationen im Alltagsbetrieb werden wir auch in Zukunft beobachten können und was funktioniert vielleicht noch nicht?

Die Ausgangssituation

Als Ende März 2020 der Lockdown kam, waren viele Betriebe und Firmen vorerst überfordert. Zwar hatten manche mit verbesserten Hygienekonzepten vorgesorgt, doch so einen Ausnahmezustand hatte kaum jemand vorhergesehen. Die Kontaktbeschränkungen haben besonders die Kanzleien getroffen, wo das Gespräch mit dem Mandanten essentiell für die weitere Zusammenarbeit ist. Doch diese Form der Kommunikation wurde durch die Pandemie stark erschwert. Auch hat nicht jeder Mitarbeiter in einer Kanzlei ein eigenes Büro. Bei geteilten Räumen wird auch das Abstandhalten zum Kollegen zur Herausforderung.

Wie reagieren die Kanzleien?

Oftmals gilt, die Juristerei sei eine Krisensichere Branche. Wenige Kanzleien müssen wegen Corona schließen, oftmals kriegen sie noch mehr Arbeit, da viele Bürger wegen der bewegten Zeit professionelle Rechtshilfe wollen. Das ändert nichts an anfänglichen Umsatzeinbußen. Daher haben zu Beginn der Krise viele Kanzleien einen Einstellungsstopp verhängt. An den bestehenden personellen Gegebenheiten ändert das jedoch wenig. Kündigungen bleiben zumeist aus und Kurzarbeit wird ebenfalls selten beantragt. Laut einer JUVE-Umfrage machen sich nur knapp 20% der befragten Associates starke oder sehr starke Sorgen um ihre berufliche Zukunft. Fast 30% haben dagegen keine Sorgen, während sich etwa die Hälfte ein wenig Sorgen macht. Das Ergebnis fällt bei den Kanzleien angesichts der verehrenden Lage in anderen Branchen also noch sehr glimpflich aus.

Studentische Praktika

Jedoch mussten viele Jurastudenten schmerzlich erkennen, dass die Großkanzleien zumindest für die diesjährigen Semesterferien oftmals keine Praktika mehr anbieten. Ein großes Problem, da im strengen Studienverlaufsplan der Rechtswissenschaften das Praktikum zwar so früh wie möglich absolviert werden sollte, aber auch gleichzeitig eine gewisse Vertrautheit mit den juristischen Grundwerkzeugen voraussetzt. Somit ist der Zeitraum zur Absolvierung eines Praktikums regelmäßig eng bemessen. Das ist natürlich auch ein Problem für die Kanzleien selbst. Zwar leisten die Praktikanten in Großkanzleien in der Regel keinen Beitrag zum Tagesgeschäft, sondern werden separat angeleitet, jedoch reißen sich die Arbeitgeber wegen des Juristenmangels stets um die Nachwuchstalente. Dafür ist die persönliche Bindung durch Praktika ein wichtiges Mittel, um später nicht hinter der Konkurrenz zurückzubleiben. Doch auf diese bleibt vorerst aus.

Sicherheit für den Mandanten

Während Kanzleien wie selbstverständlich auf Mandantengespräche setzen, sind diese während Corona nur eingeschränkt möglich. Auf den Websites vieler Kanzleien ließt man, diese würden durch Telefon- oder Skypegespräche ersetzt, im Zweifel wird ganz auf den Mailverkehr abgestellt. Nur in Sonderfällen werden persönliche Treffen angeboten. Doch diese sind auch notwendig, um das Fortbestehen des Rechtsverkehrs zu gewährleisten. Durchs Telefonieren können nicht zwangsläufig alle wichtigen Informationen vermittelt werden, sodass eine funktionierende Zusammenarbeit gelingen kann; Skype hat nicht jeder und besonders die älteren Personengruppen stehen dieser Innovation oftmals eher skeptisch gegenüber. Die Kanzleien passen sich den Schutzbeschränkungen und den Wünschen ihrer Mandanten also an.

Auch wird deutlich kommuniziert, die bestehenden Fälle würden selbstverständlich fortgeführt. Wovon Viele bereits ausgehen, wollen die Kanzleien ihre Mandanten auf jeden Fall informiertwissen. In der Krise gibt diese Rückversicherung einerseits halt, andererseits will man hinter der Konkurrenz um keinen Preis zurückbleiben. Anwälte leben vom Vertrauen ihrer Mandanten, daher ist diese Zuverlässigkeit unerlässlich.

Novum in der Juristerei: Homeoffice

Aber wo arbeiten die Associates während der Krise? Die meisten Kanzleien hatten das Büro stets als alternativlos angesehen. Innovationen wie Homeoffice wurden kaum unterstützt, sondern oftmals schlechtgeredet. Allgemein finden Neuerungen in der Juristerei eher langsamen Einzug. Jedoch hat durch die Pandemie ein großer Umschwung stattgefunden. Weit über die Hälfte der Associates der großen Kanzleien arbeiten momentan von zuhause aus. Doch obwohl heutzutage viel Material auch digital zur Verfügung steht und Seiten wie beck-online ihr digitales Angebot zudem erweitert haben, ist die juristische Ausrüstung zuhause nicht immer so gut wie im Büro. So sind Associates oft nur mit einem Laptop ausgestattet, die Umstellung erhöht zudem den Arbeitsaufwand.

Da spontane Gespräche im Büro auch nicht mehr stattfinden können, haben viele Kanzleien neben den regelmäßigen Meetings Co-Working-Plattformen eingerichtet. So können alle Mitarbeiter synchronisiert zusammenwirken und wissen stets, wo das Projekt steht. Solche Innovationen könnten auch nach der Pandemie noch Bestand haben, wo sie nicht schon vorher zum Einsatz kamen.

Doch die Arbeit im Homeoffice belastet auch die Work-Life-Balance, besonders wenn die Kinder gleichzeitig noch betreut werden müssen. Von den Kitaschließungen waren auch die Anwälte betroffen, sodass gerade zu Beginn der Krise die Kinderbetreuung zuhause zum Problem wurde. Zwar ist der Anwaltsberuf mittlerweile in allen Bundesländern als Systemrelevant eingestuft, sodass die Associates auch einen Anspruch auf Sonderbetreuung hätten, jedoch haben nicht alle ihre Kinder vor der Krise in den Kindergarten gegeben. Viele Großkanzleien bieten eigene Kinderbetreuung an, die jetzt natürlich wegfällt und auch nicht zwangsläufig ersetzt werden kann.

Fazit

Wie alle anderen Branchen wurde auch die Juristerei von der Krise kalt erwischt. Jedoch wird die Krisenbewältigung in diesem Bereich sehr positiv aufgenommen und auch die Weiterarbeit während der Pandemie gelingt. Obwohl das neue Konzept Homeoffice noch nicht komplett ausgereift ist, arrangieren sich die Kanzleien mit digitalen Innovationen, die das neue Zusammenarbeiten regeln. Vielleicht werden diese neuen Methoden ja zum Standardrepertoire der Kanzleien nach der Krise. Zumindest haben sie gezeigt; die Juristerei bleibt auch während Corona stabil.

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